Im Namen des letzten Ethnarchen und den ehrwürdigen Ahnen an seiner Seite neige ich mein Haupt in Demut und Respekt! Es ist mir die größte Ehre und Pflicht zu verkünden was prophezeit war am ersten Tag des dritten Weltenlaufs nach der Dämmerung:
Einst wurden die Boten und Händler vom ewigen Herrscher gesandt. Was vormals war recht, sei erneut befohlen! – Spruch des Orakels
Das aber soll sagen: Ein in Vergessenheit geratenes Amt wurde aus dem Schlaf der Zeit gerufen. Die Standarte eines uralten Ordens der Aschlinge wird nach dem Willen der Vorhersehung wieder aufgerichtet. Ewig sollen die Klagenden diese Schicksalsfügung besingen! Als Führer der Reisenden werde ich, Vielweg, fortan die Last der Güter und der Verständigung für das vergangene Reich tragen…
Vor Äonen, als die Asche noch warm war, da beschritten unsere Vorfahren ferne Straßen aus Marmor, brachten Rat und Hilfe und Wohlstand in die entlegenen Enden der Welt. Diesen Spuren im Staub will ich folgen! Ich will Ziegel brennen in der Flamme der Weisheit und Vertrauen erwerben von den Völkern um eine Brücke über die Gräben der Welt zu errichten. Sie soll beständig und verlässlich sein und da all jene sicher tragen, die bereit sind auf ihr in Austausch zu treten.
Wir, die Aschlinge, erkennen an: Die Fäden des Schicksals von Darshiva ruhen in unzähligen Händen. Und so ist es die heilige Aufgabe der Reisenden mitzuwirken am Knüpfen und Weben jener Fäden zu einem Netz des Friedens. Wie vor dem Tod alle gleich sind, so werden auch wir jedem Fremden mit gleicher Offenheit und Achtung begegnen. Und wo Tausch und Gaben die Welt erhalten, da bieten wir uns als Bewahrer des Gleichgewichts an. Wo aber unter Euch nach Erkenntnis gesucht wird, da werden wir sein um zu teilen, was wir haben.
Wisset auch, dass jegliche Kreatur, die den ewigen Eid auf den letzten Ethnarchen schwört, als Glied des vergangenes Reiches gilt. Wem es also danach verlangt, kann ein Aschling sein. Wer dieses Joch unserer Gemeinschaft auf sich nimmt und das eigene Schicksal an das unsrige kettet, wird fortan ewig unter uns wandeln. Ein Teil unseres Volkes, dem in Not oder Fülle stets Beistand geleistet wird… Dies ist der Pfad der Eidlinge: Ein Schwur, in Treue gesprochen, vermag ebenso stark sein wie einer, der durch Geburt ererbt wurde.
Und so erfüllt es mich mit großer Ergebenheit berichten zu dürfen, dass eben diesen Weg im letzten Mondlauf zwei eigenständige Gruppen am Rande unseres Reiches gegangen sind. So hat sich in den Frostgestaden des Nordens ein kleines Volk hierzu entschlossen, denn ihre Stärke und ihr Stolz konnten sie nicht vor Einsamkeit und Hunger bewahren. Doch nicht haben sie Unterwerfung erfahren, sondern Verlässlichkeit und Unterstützung. Jene aber, die in der südlichen Brandnarbe in ihren Höhlen hausen, sind sehr geschickt im Überleben. Doch fehlte ihnen eine Wahrheit, die über den nächsten Tag hinausgeht und vor Verzweiflung bewahrt. Sie hörten unseren Ruf des Schicksals und folgten ihm in den Trost der Riten und dem Glauben an die Toten. Einige haben nicht nur den Eid geleistet, sondern sind Proselyten geworden: Also jene, die die Wahrheit der Ahnen als ihre eigene erkannt haben und nach ihr leben.
Ihr, die Ihr dies lest, möget wissen: Die Mission des Ordens der Reisenden ist es in Bescheidenheit und Weisheit all das hinauszutragen in die Ferne, was wir Aschlinge haben, seien es nun Güter oder Tugenden. Wir erbieten uns an mit Euch in Austausch darüber zu kommen als Begleiter und Schicksalsgenossen auf dem mühseligen Weg des Lebens. Als Akolythen im Dienst des vergangenen Reiches stehen wir bereit mit all jenen in Kontakt zu treten, die den Wunsch hegen mehr über die Qualitäten und Erkenntnisse unseres Volkes zu erfahren.
Mögen diese meine Worte der erste Schritt sein auf der Pilgerreise hin zu mehr Verständigung und Zwiesprache mit der Welt…
Verfasst und beglaubigt durch Ordensmeister Vielweg von den Reisenden aus der Sippe der Lastenträger