Die Geschichte, die in den Blätter wohnt

so wie wir Cwtsh sie erzählen, wenn der Nebel träumt und die Hynafiaid flüstern

Wir wissen nicht, was war, bevor der Aschenebel kam.
Wir sind nur Cwtsh.
Wir leben, wie uns die Hynafiaid lehren,
im Licht der Morgenblätter,
im Gesang der Wurzeln,
im Tanz der Frucht und des Lichts.

Die Hynafiaid nähren uns, beschützen uns, tragen unsere Schlafplätze hoch über den Boden, dort, wo der Wind leiser spricht und die Sterne auf den Blättern tanzen. Sie geben uns Früchte, aus denen wir leben, Schatten, unter dem wir ruhen, Geschichten, die in ihrem Rauschen wohnen.

Denn manchmal, wenn der Wind schräg durch die alten Äste fährt, erzählen sie. Nicht mit Worten wie die Besucher, nicht mit Zeichen wie die Tiere. Sondern im Knacken, im Seufzen, im Rascheln, im Zucken der Myzele unter unseren Füßen. Dann erzählen sie uns von der Zeit, die wir nicht erinnern. Von dem, was war, bevor der Nebel kam.

Sie erzählen von einer Welt voller Cwtsh. Von Wäldern so weit, dass der Lauf eines Tages nicht reichte, um sie zu durchqueren. Von Kronen, die sich berührten über Flüssen und Lichtungen, von tanzenden Nestern in der Luft und von Wurzeln, die miteinander sangen. Damals, sagen sie, war jeder Cwtsh ein Lied, und das ganze Land war ein Chor.

Jeden Morgen, wenn das Licht durch das Blätterdach fiel, atmeten wir die Seele des Tages ein. Unsere Schritte führten uns zu den Hynafiaid, die uns mit ihren Gaben empfingen. Wir sangen das Lied des Morgens und tanzten den ersten Tanz, denn so, sagen sie, beginnt Harmonie.

Tagsüber suchten wir, was der Wald uns schenkte. Nicht aus Hunger, sondern um das Gleichgewicht zu pflegen. Unsere Hände wussten, wo sie greifen durften. Unsere Füße traten nur dorthin, wo es erwünscht war. Unsere Stimmen antworteten auf das Flüstern der Bäume.

Am Abend, wenn das Licht sich in der Rinde sammelte, saßen wir im Kreis, sangen leise das Lied des Tages zurück in den Himmel, und der Schlaf kam wie Tau auf weiches Moos. Dann träumten wir in der Umarmung der Hynafiaid. Kein Anfang, kein Ende. Nur das Lied.

Doch die Geschichten erzählen auch anderes.

Sie erzählen von Völkern, die kamen. Neugierig, suchend, mit großen Augen und schwerem Atem. Manche hörten die Stimmen der Hynafiaid. Manche blieben. Wurden keine Cwtsh, aber wurden unsere Gefährten. Andere gingen, weil ihr Lied ein anderes war.

Und es gab solche, die nicht kamen, um zu hören, sondern zu nehmen.

Die Hynafiaid erzählen von der Welt außerhalb. Von Völkern, die keine Tänze kannten, sondern Monster riefen, die sie Maschinen nannten. Monster, die Bäume fraßen, schneller als Wurzeln fliehen konnten. Die Erde aufrissen, die Berge aushöhlten, bis sie sich selbst verschluckten. Monster in der Luft, die lebendige Wesen einsogen und anderswo ausspuckten, mit stinkendem Atem aus Asche und Feuer.

Sie erzählen, dass der Himmel brannte. Dass der Atem der Welt stickig wurde. Dass selbst die Stimmen der Wurzeln leiser wurden.

Und so kam der Aschenebel.

Nicht der gute Nebel, der morgens tanzt. Sondern der Aschenebel, der erstickt. Der in alles kroch. In Äste, in Moos, in Lungen. Der Nebel, der alles bedeckte, was noch atmete. Und als er sich legte, war nicht mehr viel übrig.

Aber die Hynafiaid blieben. Wenige. Und mit ihnen – wir.

Wir erinnern nicht mit dem Verstand. Wir erinnern mit dem Tanz. Mit dem Lied. Mit dem leichten Streifen eines Blattes, das uns wissen lässt: Wir waren. Wir sind. Wir werden sein.

Und so leben wir.
Einfach. Singend. Hörend.
Denn was wir wissen, ist genug.
Und was war, wird wieder wachsen.
Solange wir tanzen.

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