Hört, Kinder der Gemeinschaft, den Bericht des Ruh’Tāri, wie wir ihn aus seinem Mund nahe Shasha’Kāla vernahmen, damit niemand sage, die Aschegeister seien gering.
So sprach der Schütze, und so haben wir es behalten.
Wir folgten Arinai’Tor.
Wo sie geht, hallt Darshiva von ihrem Tritt.
Der Sumpf lag vor uns wie Sand, der vergessen hatte, trocken zu sein.
Der Boden gab nach, wo er tragen sollte.
Die Luft war schwer, als hätte der Wind dort seinen Atem verloren.
Und doch war überall Leben. Wir dachten, Leben würde die Asche schwächen.
Dann kam der Nebel.
Er kam nicht schleichend.
Er war da.
Wie ein Sandsturm, der nicht aus der Ferne wächst, sondern plötzlich losbricht.
Aus ihm traten die Geister, die wir zu jagen glaubten.
Nicht wie Wesen. Wie stofflicher Verfall.
Als hätte der Nebel beschlossen, Gestalt anzunehmen.
Arinai’Tor blieb in erster Reihe.
Wer steht, wie sie, will ihr Schicksal selbst schreiben.
Bei ihr war Vera’Tor, der Donnerzeuge der Ina’Rai.
Zum ersten Mal trug einer unserer Priester seinen Glauben in einen Kampf.
Er stellte sich nicht hinter uns.
Er ging mit uns.
Seine Worte legten sich auf unsere Körper wie gegerbtes Leder.
Das Gefühl von Schutz gab uns die Zuversicht, nicht zu verzagen.
Wir Arai’Kāri gingen in Stellung.
So ist es seit den ersten Tagen unseres Volkes.
Der Wind eröffnet den Kampf, und wir sind seine Pfeile.
Mein Bogen sang das Lied des Todes, das ich seit meiner Kindheit kannte.
Jede Sehne ein Versprechen.
Aber die Asche hörte nicht zu.
Unsere Pfeile, die sonst gepanzerte Leiber durchschlugen, versanken in ihr, wie Regentropfen in trockenem Sand.
Wo mein Geschoss traf, wirbelte die Asche wie von einem Windstoß erfasst, nur um sich danach
wieder zu schließen. Kälte breitete sich in mir aus, die nichts mit dem Sumpf zu tun hatte.
Die Geister kamen näher.
Langsam. Unaufhaltsam.
Wie etwas, das weiß, dass es Zeit besitzt.
Dann griffen sie an.
Die Tāri’Vera bildeten eine Mauer aus Leder, Schilden und Überzeugung
Sie sind nicht gemacht für Jagd, nicht gemacht für die offene Wüste.
Sie sind gemacht, um Stand zu halten.
Und alles was ich tun konnte, war zusehen, wie der Nebel sie Stück für Stück verschlang, während
meine Pfeile nutzlos in ihrem Köcher klapperten.
Das Leben wich aus Haut und Leder, das die Schemen berührten. Schilde, Keulen und Körper sanken in den Morast.
Meine Augen fanden den leeren Blick meiner Bogenschwester Arai’Lunai.
Arinai’Tor sah dies und handelte: Sie gab die Vēra’Arai frei.
Halb Mensch, halb Staubteufel – eins mit Arais Zorn bewegen sie die Welt.
Und mit ihnen kam der Sturm.
Der wenige Sand, der uns anhaftte, hob sich.
Die Luft wurde scharf um sie.
Vetter Winds Waffe war gezogen.
Wo sie auf die Asche trafen, veränderten sie sie.
Brachen Formen auf.
Zerfaserte die Ordnung der Geister.
Zerfielen einige der Gegner und kamen nicht zurück.
Da wussten wir: Die Asche ist nicht unberührbar.
Doch die Zahl der Geister war größer als die Kraft der Derwische.
Als der Zorn des Vetters verrauchte, wurden die Luftmassen träge.
Keiner der Vēra’Arai wird heimkehren.
Und doch hatten sie uns noch im Tod gezeigt, dass der Feind verletzt werden kann.
Da befahl Arinai’Tor den Rückzug.
Keine Flucht – nur Anerkenntnis der Niederlage.
Wie sie geht, wer weiß, dass Bleiben das Ende wäre.
Auch Vera’Tor wurde getroffen.
Die Asche legte sich an ihn wie Hitze an trockenes Holz.
Er wankte, als hätten alle Kräfte ihn verlassen.
Noch einmal donnerte seine Stimme die heiligen Worte, wurden Haut und Lebenssaft zäh.
Als er fiel, war Arinai’Tor zur Stelle.
Wie ein Kind aus einm Wadi entriss sie ihn der Gefahr.
Die letzten der Tāri’Vera traten vor.
Wortlos.
Sie wussten, was dieser Schritt bedeutete.
Sie stellten sich zwischen uns und die Asche.
Schilde erhoben, Körper ruhig.
Mutter Donner blickte stolz auf sie.
Sie schufen den Raum, durch den wir entkamen.
Von ihnen hatte keiner dieses Glück.
Doch ohne sie wäre keiner gegangen.
Am Ende blieben vier von beinahe hundert Ausgezogenen:
Arinai’Tor, voll Schmerz über die verlorenen Kampfgenossen.
Vera’Tor, der Donnerzeuge, verwundet, aber atmend.
Arai’Lunai, meine flinke Waffenschwester.
Und ich, Ruh’Tāri, der berichtet.
Wir sind geschlagen worden.
Asche legt sich über die Gefallenen.

Doch sie ist kein furchterregendes Ganzes mehr.
Die flinkeren Geister sind beinahe fort.
Den mächtigen, großen hat der Sturm etwas genommen, das nicht zurückkehrt.
Und auch die anderen sind nicht unversehrt.
Darum sagt den Ältesten:
Nennt die Aschegeister nicht gering!
Sagt ihnen:
Der Sturm der Sāndari’Māna fiel im Sumpf, damit wir wissen, wie Asche fällt.
Ihre schweren Truppen aus der Hauptstadt blieben, damit andere gehen konnten.
Und sagt ihnen auch:
Arinai’Tor wird zurückkehren.
Und sie wird beenden.
Bericht des Ruh’Tāri, Arai’Kāri der Sāndari’Māna, erzählt von
Rih’Tari’Vēra, Geschichtenerzähler der Sāndari’Māna, neuzeitlich