Kindermärchen oder den Türmerwesen zugeschriebener Heldenepos aus alter Zeit
Angepasst übertragen aus dem altartikanischen Dialekt, Quelle vieler Forschungsansätze für die Akademie zu Alineea. Siehe auch in dem Bericht der aktuellen Forschungsergebnisse aus der Akademie zu Alineea im Vne Thall | Buch der Zeit 6 (im 24. Mondenlaufe)
Schon in uralter Zeit noch vor dem Kataklysmus, wenn die Weiten Artikas von den eisig blutrünstigen Frostwyrmen heimgesucht wurden, standen bereits die tüchtigen Tyrmersmannen insgeheim Wacht. Unbemerkt formierten sich die in den Tyrmen versammelt Mutantan zur stummen Hut.
Die Flügelträger zogen ihre durchdachten Bahnen um die von Gletschern durchfurchten Eisgebirge treulich bis weit über die Permafrostgrenzen hinaus, durch die frostigen Lüfte. Die bekrallten Rudel und die weißen Schatten sicherten den Frieden zu Erden. Von dem prächtig funkelnden Mondkrystall des Palastes, so saget man sich, wurd ihnen die Kräfte geschenket. Andere munkeln von einem Fluche. Ein Splitter der Mondmagy im Herze und das m‘agischen Leuchten in den Händen spendeten sie Lichte im Dunkel der Gemüter und gewahrten die Bedrohung.
Eines Tages retteten nun drei Tyrmersmannen dem amtierenden Monarche das Leben vor einem gar riesenhaften Wyrmen. Seither seien sie per Eide beschworen die Wachenden und Hütenden aller Streitkräfte der Völker zu sein, die sich zu Artika bekennen tun.
Damals begab es sich, dass sich der frostige Schurke erhob – dessen eisiger Atem jede noch so tüchtige Zwergenesse sofortig erstarren ließe – sich ausgemalet hatte ganz Artika im ewigen Kalt zu bannen, um selbst über alles Erstarrte herrschen zu können. Dagegen erhoben sich die drei mutige Wesen und schlossen sich zusammen zum Schutze.
Das stolze Adlertürmerwesen breitete die Schwingen aus und lenkte den Wyrm mit gar kühnen Flugmanövern ab. Das listige Schneeleopardenwesen lotste den Monarche geschickt und sicher über verborgene Gebirgspässe und geheime Pfade zu einer schimmernden Krystallhöhle im Schutz des Gesteins unterm Gebirge, während das Schneewolfwesen ein krallenbewehrtes Rudel formierte, das geschickt die Lücken der Panzerung des Wyrm zu nutzen wussten, um es tödlich zu verwunden. Gemeinsam vereitelten sie alsodann die Machenschaften des frostigen Tyrannen.
So kam es zur ewigen Zusammenarbeit der Tyrme. Alsobald, dass die Schneewolftürmer als Krallenrudel mit ihrer Kraft, die pfeilschnellen Schneeleoparden mit ihrer List sowie die Adlertürmer voller Weitsicht sich vereinten – sie stehn seitdem im Dienste des Volkes um zu Schützen das Eiland, ein Brauchtum dass die Asch‘nzeyten überstehen sollte.
Es folgt das Ursprungsfragment im altartikanischen Dialekt – angenommene Quelle des Kindermärchens
[…] duustrig gefalln op em Ailanden, ond en gargroßer Wyrm krochet ußem Dæmmerschiatt, seynn Huuch kalt ond verderblich. […] Monarche, milden Hærzens, mit d’Licht in de Handen, war em Untergang gewit. Doch stiegen op drey, dærer op em alten Bluud: En Schneevulf mit Krall ond Rudel […] d Lehpart von Ais ond Schney, listig […] ond vom Foogler Tyrme […] Se rukkten zammen, on mit M‘agie det Moonds in seynn Brust’n ond d’Schyn des alten Krystalls […] verjagten se d’Wyrrm […] Tyrmersmannen op ewige Zeyten Huut […]
Fundort und Bergung der Quelle:
Im 23. Weltenlaufe [also nach der angenommenen Rückkehr der M‘agie] an einem frostkühlen Morgen, an dem erstmals seit Generationen wohl ein einziger schwacher mondmagischer Puls aus dem Artefakt unter dem Palasthügel spürbar wurde, regte sich etwas im Ausgrabungsgebiet. Der versiegelte innere Ring des Kammerfundaments, lange Zeit für massives Gestein gehalten, begann zu kurz bläulich zu schimmern. Nach genau sieben Herzschlägen ruckte sich ein Stein zur Seite – krachend, fast mechanisch, als hätte er nur auf diesen Moment gewartet. Dahinter offenbarte sich eine kleine, halbrunde Hohlkammer, deren Wände mit kristallinen Ornamenten bedeckt waren, deren Ursprung nur vermutet werden kann. Im Inneren lag ein Kristallzylinder, sorgfältig verschlossen, dieser barg ein feines, stark fragmentiertes Pergament mit einer Handschrift im altartikanischen Dialekt abgefasst.
„Zunächst hielten wir es für eine zeremonielle Hymne oder ein Kinderlied. Erst die semantische Rekonstruktion offenbarte den märchenhaften Charakter – die unerwartete Nähe zu bekannten Legenden über die Türmerwesen berührte uns zutiefst“, so eine Stimme aus der Akademie zu Alineea.
Die Forschenden vermuten, dass dieses Märchen ursprünglich Teil eines größeren Ensembles war – vielleicht sogar einer Lehrschrift für junge Türmeranwärtende oder einer sakralen Erzählung, die einst öffentlich vorgetragen wurde. Manche spekulieren sogar, dass es sich um eine verschlüsselte Prophezeiung handeln könnte, zumal gewisse Phrasen im Kristallartefakt nicht den aktuell vorherrschenden Begebenheiten entsprechen.
Nun werden die Fragmente im Präkataklystischen Archiv konserviert und zu Forschungszwecken vervielfältigt. Die Frage ob die inselartikanischen Ahnen vom bevorstehenden Kataklysmus wussten oder diesen zumindest vorhersahen und entsprechende Vorkehrungen trafen.