Verkündigungen aus Al’Umbryjil im 19. Mondlauf nach der Asche

Antworten auf die Mitteilungen und Gerüchte aus dem 4. Buch der Zeit

M# 10:
>> Die Feuerelfen sind von ihrer Göttin verflucht und die Herrschaft der Hal Am’Vnelayjah wird bald enden. <<
Ohne voreilige Schlüsse ziehen zu wollen, liegt die Vermutung nahe, dass diese Worte aus der Feder eines Mitglieds oder Sympathisanten des sogenannten “Bund des Heiligen Blutes” stammen. Der Reichsrat hat beschlossen, dieser anonymen und geistlosen Provokation keinen weiteren Raum zu bieten. Wer immer urhebend verantwortlich sein mag, sei jedoch eingeladen, sich einer offenen und sachlichen Diskussion zu stellen.

M# 19:
>> Im Schlot des Vulkans nahe der Feuer- elfenstadt Dal Am‘Shyjiv lauert eine uralte Macht, welche eine Bedrohung für alle Völker Darshivas darstellen könnte. <<
Eine wahrhaft besorgniserregende Mitteilung. Wir geben hiermit Kunde, dass uns nichts über diesen Umstand bekannt ist. Sollte es sich hier nicht um einen überaus boshaften und geschmacklosen Scherz handeln, sind wir dringlich an weiteren Informationen interessiert.

M# 22:
>> Das Volk der Andar und das der Vnelayjah waren einst eines. <<
In der Tat forschen wir schon seit geraumer Zeit nach den Wurzeln und auch den Verzweigungen unseres Volkes mit anderen Völkern. Eine Theorie besagt, dass alle elfischen Völker einen gemeinsamen Ursprung haben. So sich die Andar zu den Elfen zählen, wäre dies durchaus eine These, deren Wahrheitsgehalt zu überprüfen sicher lohnenswert wäre. Ebenfalls liegen zahlreiche Hinweise vor, dass entweder eine grundlegende Verwandtschaft oder eine jüngere Verwebung aus vergangener Zeit zwischen den Vnelayjah und den Feylar besteht. Untersuchungen hierzu sind bereits im Gange. Ferner trafen unsere Kundschafter auf ein ebenfalls vermeintlich enger verwandtes Elfenvolk, von welchem wir hier in einem separaten Abschnitt berichten werden. Gerne würden wir mehr über Intention und Ursprung dieses Gerüchts erfahren und sprechen eine Einladung zu einem tieferen Briefwechsel aus. Ferner seien auch die Vertreter der Andar zum Austausch eingeladen, insbesondere, wenn ihnen entsprechende Kenntnisse vorliegen sollten.

niedergeschrieben von
Alsyn Bennev Seannyal
Reichsrat für Kultur und Gemeinschaft


Entwicklung des Reiches

Die Fortschritte im Reich seit der Lichtung des Nebels sind nicht zu leugnen. Wo die Asche über Generationen die Luft zum Atmen nahm, erblühen nun Siedlungen, Dörfer und Städte in neuem Glanz.
Neben dem großen Tempel wurde mit der Instandsetzung des früheren Ratsgebäudes begonnen, welches Dal Am’Shyjiv endgültig den Glanz einer Reichshauptstadt verleihen sollte. Das Bauwerk war teilweise verfallen und konnte aufgrund des Mangels an Materialien während der Aschezeit nicht restauriert werden. Andere Maßnahmen waren vordringlicher. Dass dies nun endlich möglich ist, zeigt, dass die Zeiten sich bereits spürbar zum besseren gewandt haben, auch wenn die Bedrohungen im Reich noch nicht ausgemerzt sind.
Merqhay Sulayjav Am’Thullmesh, Reichsrat für Militär und Sicherheit, liegen zahlreiche Kampf- und Erkundungsberichte der Generäle des Reiches vor, in welchen von immer weiteren Nebelwesen die Rede ist. Zuletzt wurde eine regelrechte Armee gesichtet. Obgleich diese Kreaturen äußerst aggressiv auf jegliche noch so friedliche Annäherung zu reagieren scheinen, hoffen wir, dass sie keine Anstalten machen werden, sich weiter auszubreiten. Merqhay Sulayjav Am’Thullmesh ließ die umliegenden Regionen durch Milizen sichern, was jedoch angesichts der Größe dieser Nebelarmee kaum etwas ausrichten dürfte. Zwei Heere sind jedoch aufgestellt und auf dem Weg dorthin. Möge Vnelyra uns beistehen und uns das Schicksal gewogen sein.

Neben diesen bedenklichen Neuigkeiten, ereilte uns jedoch auch ein äußerst erfreulicher und höchst interessanter Bericht über eine Region tief im Osten des Reiches. Dieser handelt von einem ausgedehnten Sumpfgebiet, welches nicht nur geographisch und bezüglich der Fauna und Flora interessant ist, sondern ein uns bislang unbekanntes Elfenvolk beheimatet. Hier einige Ausschnitte der Lageberichte der dort eingesetzten Generalin Ayila Beylinja Am‘Shurmaqh aus dem 15. und 16. Mondlauf nach der Asche:

Bericht von Ayila Beylinja Am‘Shurmaqh,
6.ML 2.WL ndA., Suhub Am’Namasayjidah:
„[…] Vor 19 Sonnenläufen haben wir Thinqhylija Am’Hasalhuryjad, die zentrale Stadt der Region Suhub Am’Namasayjidah in Richtung Nordosten verlassen. Die Durchquerung der Steppe verlief ohne Probleme. Immer wieder konnten wir an kleineren Ortschaften Wasser und neue Verpflegung erhalten, was die Reise deutlich erleichterte. Wir sind nun in ein Gebiet gelangt, in welchem die weiten Steppen einer etwas dichteren, wenn auch bodennahen Vegetation weichen. Der Untergrund wird spürbar feuchter und auch morastiger und die Zahl an Wasserlöchern nimmt zu. Von einer Erhöhung ließ sich ausmachen, dass sich offenbar ein großer Sumpf über das ganze Gebiet im Osten erstreckt. Ich habe einige meiner erfahrensten Kundschafter ausgewählt, um in die Region vorzudringen und die Lage zu beurteilen. […]“

Bericht von Ayila Beylinja Am‘Shurmaqh,
7.ML 2.WL ndA., Suhub Am’Namasayjidah:
„[…] Die Kundschafter sind mit erstaunlichen Nachrichten aus der Region im Osten zurückgekehrt. Ein Volk namens Urzu’thair bewohnt jene Sümpfe, von welchem zumindest kein Mitglied der mir zugeteilten Armee bislang gehört hat. Es scheinen ebenfalls Elfen zu sein – zumindest weisen offensichtliche körperliche Merkmale darauf hin und die Ähnlichkeiten im Körperbau zu unserem Volk sind nicht zu leugnen. Ihre Hautfarbe weicht jedoch stark von der unseren ab und variiert von gelblicheren Erdtönen bis hin zu dunklem Grün, ähnlich der Algen und Moose, welche sich in der Region finden. […] Nur wenige von ihnen beherrschen die darshivanische Gemeinsprache und dies auch nur äußerst rudimentär. Allerdings konnten gewisse Ähnlichkeiten ihrer eigenen Sprache und auch Schrift mit dem Vnelayjahnischen festgestellt werden. […] Sie sind äußerst kooperativ und empfingen uns sehr gastfreundlich, sobald sie erkannt hatten, dass wir trotz der bedrohlich anmutenden Präsenz des Armeezuges nicht in kriegerischer Absicht sondern auf der Suche nach friedlicher Koexistenz unterwegs sind. Weiter im Norden und Osten der Region ballt sich laut den Aussagen der Urzu’thair der Aschenebel zu einem nach wie vor undurchdringlichen Bollwerk auf. Auch die Lichtung gen Westen scheint noch recht jung zu sein und wir sind das erste andere Volk, welches sie seitdem zu Gesicht bekommen haben. […] Wir werden erste diplomatische Verhandlungen einleiten, da die Angliederung an das Reich durchaus im Sinne der Urzu’thair zu sein scheint, sofern einige Bedingungen eingehalten werden. Ich erbitte daher die Aussendung eines kulturell versierteren Botschafters, sofern diese Verhandlungen den Zuspruch des Reichsrates erhalten. Andernfalls bitte ich um neue Anweisungen.“

Dem Gesuch von Generalin Ayila Beylinja Am‘Shurmaqh entsprechend wurde Harqhain Qhyshmal Bejlihm, Sprach- und Kulturforscher aus der Bibliothek zu Dal Am’Shyjiv, für diese diplomatische Mission ausgewählt. Auch erhielt er den Auftrag, mehr über das Volk der Urzu’thair, ihren Ursprung und ihre Kultur in Erfahrung zu bringen. Ausschnitte seiner Ausführungen schließen sich direkt an diesen Bericht an.

niedergeschrieben von
Beysira Ihlahja Seannyal
Reichsrätin für Handel und Infrastruktur


Berichte über die Urzu‘thair

Verlauf der Verhandlungen

[…] Die Verhandlungen verlaufen äußerst zufriedenstellend für beide Seiten. Wirtschaftlich mag diese Region zunächst nicht all zu reizvoll wirken, jedoch bietet sie ein Repertoire an Ressourcen, welche in ganz Al’Umbryjil nicht zu finden sind, neben robusten Pflanzenfasern über andersartige Hölzer bis hin zu Heilkräutern und uns bislang unbekannten Feldfrüchten. So wird es im Austausch mit anderen Region ein leichtes für sie sein, die geringen Staatsabgaben zu erwirtschaften. […] Umgekehrt werden die Urzu’thair massiv von den vergleichsweise fortschrittlichen Fertigkeiten, Methoden und Werkzeugen unseres Volkes profitieren sowie vom militärischen Schutz vor den Nebelwesen, welche die Region über Generationen offenbar wesentlich aggressiver heimsuchten, als dies von anderen Gebieten des Reiches berichtet wurde, und nicht zuletzt durch die Unterstützung beim Aufbau neuer Infrastrukturen. […] Eine Festlichkeit zur Vereinigung der Völker unter dem Schirm des Reiches ist bereits angesetzt. Während ich in der Region verbleiben werde, um weitere kulturelle Nachforschungen anzustellen und eine reibungslose Verständigung zu gewährleisten, wird im Gegenzug eine Delegation der Urzu’thair in wenigen Mondläufen in Dal Am’Shyjiv eintreffen. […]

Kulturelle und naturwissenschaftliche Einschätzung

[…] Der Name “Sumpfelfen” hat sich in der Umgangssprache der aktuell noch hier stationierten Reichsarmee bereits etabliert. Die Urzu’thair empfinden diese Bezeichnung als durchaus zutreffend und keinesfalls als beleidigend, klassifizierend oder gar reduzierend, was in meinen Augen verständlich wäre. Tatsächlich scheint der Begriff “Urzu” in der darshivanischen Gemeinsprache “Sumpf” zu bedeuten, während “Thair” so etwas wie Volk oder Stamm bedeutet. […]
Ihre elfischen Wurzeln lassen sich in der Tat nicht leugnen. Die Form des Schädels und der gesamten Skelettstruktur sowie die Form von Augen und Nase und nicht zuletzt die spitz zulaufenden Ohrmuscheln deuten auf eine extrem enge Verwandtschaft mit unserem Volke hin. […]
Auch die Sprache der Urzu’thair weist Überschneidungen mit der unseren auf, gelegentlich nur durch eine etwas abweichende Schreibweise oder Aussprache geprägt. Der “Qh”-Laut, welcher sprachgeschichtlich eine Seltenheit darstellt, ist ihnen geläufig und findet in ihrer Sprache aktive Verwendung. Es finden sich unzählige Wortstämme, welche nahezu identisch mit den vnelayjahnischen Pendants sind. Abweichend ist die Verwendung des Schriftzeichens “Z”, welches in unserer Sprache praktisch nicht vorkommt. Ausgesprochen wird es wie ein “S” allerdings nicht mit jenem weichen, fast summenden Klang, sondern scharf wie das Zischen einer aggressiven Schlange. Insgesamt werden die Konsonanten härter ausgesprochen als wir dies gewohnt sind. […]
Eine reine Vermutung meinerseits ist, dass die Umwelt einen starken Einfluss auch auf das Sprachverhalten eines Volkes hat. Während die Wüste nicht nur sehr weiche Formen hervorbringt, sondern auch eine enorme Stille beheimatet, hat auch unsere Sprache fließende, weiche Formen angenommen, welche leise und feine Nuancen beinhalten. Hier im Sumpf ist man nahezu ständig von einem dauerhaften Geräusch umgeben. Ein Summen und Surren verschiedenster Insekten ist ebenso gegenwärtig wie die Laute verschiedener Vögel und Reptilien oder das Tropfen, Plätschern und Rauschen kleinerer Gewässer und Rinnsale. Die deutlichen und scharfen Konsonanten erheben sich mit Leichtigkeit über die Umweltklänge und ermöglichen eine mühelose Konversation im Alltag, aber auch eine gute Verständigung im Flüsterton, etwa auf der Jagd. […]
Ein relativ lebendiger Glaube an primär vier göttliche Wesen, welche für die vier Elemente Erde, Feuer, Wasser und Luft stehen, hat sich in diesem Volk gehalten. Auch hier lassen sich Verbindungen zu unserer Kultur ziehen. Der Name der Göttin des Feuers lautet „Neeliira“ und hat somit ohne Zweifel den gleichen Ursprung wie der in unserem Volke gängige Name der großen Göttin Vnelyra. Besonders verehrt werden die Entitäten „Azultar“ – Gott des Wassers – und „Qhazmeera“ – Göttin der Erde. Dies ist zweifelsohne durch ihren Lebensraum zu begründen, welcher von diesen Elementen stark dominiert wird. Der Name des Vierten im elementaren Pantheon lautet „Haziil“ – Gott der Luft. […]
Die Aschezeit hat den Urzu’thair nahezu sämtliche Erinnerungen an ihre Vergangenheit abgerungen. Nur mit großer Mühe konnten einige von ihnen wenige Bruchstücke der darshivanischen Gemeinsprache und ihrer früheren Religion bewahren und über Generationen weitertragen. Ihre Kultur haben sie über diese Zeit gewissermaßen vollständig neu entwickelt, auf der Basis der Gegebenheiten. Ruinen prächtiger Steinbauten, welche seit der Lichtung des Aschenebels entdeckt wurden, deuten auf eine einst fortschrittliche und imposante Hochkultur hin. Doch praktisch nichts davon ist in den Geschichten und Legenden des Volkes wiederzufinden. Es ist wirklich erschütternd, zu sehen, was durch diese Zeit alles verloren ging. Zugleich ist es für einen Kulturforscher wie mich natürlich äußerst interessant, wie sich die Kultur desselben Volkes abweichend entwickeln kann, wenn andere Umstände vorliegen. […]
Mit dem Zuspruch des Reichrates habe ich beschlossen, meine Nachforschungen hier fortzusetzen und diese auch auf die Relikte der Vergangenheit dieses interessanten Volkes auszuweiten. […]
Ein äußerst bemerkenswertes Phänomen in der Region bedarf einer genaueren Untersuchung. Womöglich steht es in Verbindung mit jenen mysteriösen Sichtungen übernatürlicher Ereignisse, von welchen die Ntal’Hrom im vergangenen Buch der Zeit berichteten. Durch die dichtere Wildnis unweit der der Siedlung, in welcher wir derzeit Unterschupf finden, windet sich ein träger Fluss, welchen die Urzu’thair „Darsha Zaibahl“ nennen, was in etwa “schlafende Schlange” bedeutet. Der Nebel, der in dichten Schwaden über dem Wasser schwebt, leuchtet des Nachts in schimmernden Farben – mal silbern wie Mondlicht, mal goldrot wie flackernde Flammen. Während dies in der Vergangenheit eher subtil war, hat dies in den vergangenen Mondläufen wohl immer mehr zugenommen. Die alten Erzähler unter den Uzur’thair nennen diesen Ort Ahlzahir Am’Shara, „der Atem der Verlorenen“, und berichten, dass der Nebel das Werk von Seelen sei, die in den Wassern Zuflucht gesucht haben. Manche sagen, es seien die Geister gefallener Krieger, deren Blut den Fluss tränkte, als die Welt noch jung war. Andere behaupten, der Nebel sei der letzte Hauch eines sterbenden Gottes, der hier seine letzten Worte flüsterte, bevor er im Schlamm versank. Doch eine Geschichte wird am häufigsten erzählt, welche ich hier niederschreiben will.

niedergeschrieben von
Harqhain Qhyshmal Bejlihm
Reichsdiplomat & Sprach- und Kulturforscher


Der Atem der Verlorenen – die Legende von Nazeera

Nazeera war eine junge Frau von großer Weisheit, eine Tochter des Sumpfvolkes, deren Augen das Licht der Götter trugen. Einst wurde ihr Stamm von einem grausamen Tyrannen überfallen, der ihre Heimat plündern und die Bewohner versklaven wollte. Um ihre Familie und die anderen Dorfbewohner zu retten, suchte Nazeera die Hilfe der alten Mächte im Seelensumpf, wie ihr Stamm jenen Ort nannte. Sie rief in die Dunkelheit, ihre Stimme hallte zwischen den knorrigen Bäumen wider, und der Nebel begann sich um sie zu winden.

Da erhob sich aus dem Wasser eine Gestalt – weder lebendig noch tot, mit Augen so leuchtend wie die Sterne. Sie sprach in einer Sprache, die kein Sterblicher kannte, doch Nazeera verstand. Die Erscheinung bot ihr Hilfe an, doch zu einem hohen Preis: Ihr Name solle vergessen werden, ihr Körper würde nie wieder festen Grund berühren, und ihr Geist würde ewig im Nebel verweilen.

Nazeera war bereit, das Angebot anzunehmen, denn sie bangte um jene, die ihr nahestanden. Doch sie fürchtete ebenso den Preis, der ihr abverlangt wurde. Nicht nur um ihres Vermächtnisses Willen, sondern auch um das rätselhafte Loch, welches ihr Vergessen im Herzen der Liebsten hinterlassen würde.

So ersann sie schnell einen Plan und erbat sich eine Stunde Bedenkzeit, welche der Sumpfgeist ihr gewährte, unter der Bedingung, dass sie sich keinem anderen Lebewesen zeigen und auch mit keinem sprechen würde.

In aller Eile ritzte die junge Frau ihren Namen in einen großen Knochen ein, welchen sie mit einer Liane an den Ast eines Baumes band, so dass dieser gut sichtbar inmitten einer Lichtung herabhing. Dann kehrte sie zum Sumpf zurück und erklärte, dass sie nun bereit sei.

Mit einem Flüstern, das den Wind selbst erzittern ließ, entsandte der Nebel sich wandelnde Lichter gen Himmel, die den Feind in die Sümpfe lockten. Verzaubert von dem hypnotischen Leuchten folgten die Soldaten des Tyrannen dem trügerischen Pfad, bis sie im Sumpf versanken und nie wieder gesehen wurden.

Als das Morgengrauen kam, war Nazeera verschwunden. Doch die Nebel blieben – und mit ihnen das ewige Licht, das noch immer in den Nächten über dem Wasser tanzt.

Ihre Liebsten hatten sie vergessen. Doch eines Tages fand ein junger Jäger den Knochen im Wald. Niemand konnte sich erklären, woher dieser stammte und was jener unbekannte Name zu bedeuten hatte, obgleich sein Klang einen nicht greifbaren Widerhall in den Seelen einiger Bewohner des nahegelegenen Dorfes hervorrief.

Man sagt, wer an jenem Ort den Namen Nazeera flüstert, wenn der Nebel am hellsten leuchtet, könne eine leise Stimme hören, die antwortet. Und wer zu lange in die schimmernden Schwaden starrt, der könne selbst für immer darin verloren gehen.

Daher meiden manche Urzu’thair den Sumpf, ehren aber seine Wächterin und ihr großes Opfer. Sie sagen: Ein Pakt mit den Geistern mag das Böse besiegen – doch niemals ohne einen Preis.

niedergeschrieben nach Hörensagen von
Harqhain Qhyshmal Bejlihm
Reichsdiplomat & Sprach- und Kulturforscher

Siehe auch: