Die Einweihung des Andachtsraums
Vor dem Torbogen versammelten wir uns.
Fackeln warfen ihr Licht in den Stein,
als wartete er auf das erste Wort.
Wir trugen die heiligen Splitter:
ein zerbrochenes Amulett,
eine kaum lesbare Tontafel,
und den Fetzen eines Liedblattes
Der Prediger sprach mit der Hand auf der Tafel:
Wir wissen wenig.
Wir erinnern uns schlecht.
Wir suchen.
und verstummte.
Die Stille blieb länger als das Wort.
Er legte die Hand auf den Torbogen:
Dies Tor ist nicht das Haus.
Dies Wissen nicht die Fülle.
Hinter der Schwelle?
Räume, deren Mauern wir nicht kennen.
Er hob das zerbrochene Amulett:
Viele Völker haben Götter.
Wir haben nur diesen einen.
Manche nennen ihn den Gerechten.
Andere: den Erinnerten.
Melek Or ve-Sedek.
Er ist alles für die Astarim
und auch ihn haben wir nicht ganz.
Da legten wir die Hände ineinander,
als hielten wir selbst den fehlenden Teil.
Ein Lied begann und unsere Stimmen erhoben sich wie Atem im Winter:
Er trägt das Licht in den Händen,
Gerechtigkeit auf seiner Stirn,
sein Schritt ist schwerer als Schuld,
sein Atem …
Abbruch
Keine Stimme konnte den Vers vollenden.
Das Liedblatt endete und die Melodie verklang
und wir ließen sie stehen wie ein Tor ohne Flügel.
Daraufhin deutete der Priester zum Raum der Andacht.
Nicht für alle, sondern für wenige.
Eintritt nur in Paaren, Dreien, nie mehr.
So gingen wir hinein unter dem großen Bogen, Gruppe um Gruppe,
und kehrten schweigend wieder heraus.
Zum Schluss sprach er:
Nicht alles ist hell.
Nichts ist ganz.
Doch es genügt,
dass wir suchen.
Wir gingen hinein,
mit Händen voller Schweigen,
mit Augen, die im Dunkel nach Licht griffen.
Und wir hielten uns an Derech ha-Sedek,
dem rechten Weg, der uns lehrt, zu erinnern, zu tragen,
Fragmente des Ganzen zu finden.