Freies Askenblad 4

Was der Jarnfjordbodet nicht schreibt

Während der Jarnfjordbodet sich dem Glanz und Ruhm widmet, erhebt das Freie Askenblad seine Feder für die unbequemen Wahrheiten des Reiches.
Wir berichten von dem, was andere verschweigen: die brutale Niederschlagung eines Protestes, die Zensur von Nachrichten und die wahre Lage im Jarnfjord, jenseits der hehren Worte der Mächtigen.

Wenn ihr den Mut habt, die Wahrheit zu sehen – auch wenn sie schwer wiegt – dann greift zum Freien Askenblad.

Götter aus Erz und Eitelkeit? ein Aufschrei gegen den Gildenglauben!

Man kann in dieser Welt kaum einen Stein umdrehen, ohne dass ein Priester darunter hervorkriecht und ruft: „Siehst du! Mekinheiminn hat ihn gelegt!“
Wenn der Wind die Bäume neigt, heißt es: „Wardenhelms Atem!“
Wenn der Regen fällt, flüstert man: „Elixirnas Tränen!“
Und wenn ein Schmied sich den Daumen mit dem Hammer zerschlägt, gewiss, auch das sei „Götterprüfung“.

Ich sage: Unsinn.
Die Gildengläubigen sehen nicht die Welt, wie sie ist, sondern nur ein Spiegelbild ihrer eigenen Werkstatt. Sie haben sich ihre Götter aus Metall, Rauch und Selbstlob geschmiedet, jeder so, dass er sich selbst darin erkennt.

Mekinheiminn, die angebliche „Erfinderin der Ordnung“, welch bequemer Zufall, dass sie aussieht wie eine übergroße Architektin mit Bauplan und Zirkel.
Tvillingar, Hammer und Amboss, wie passend für jene, die ihr ganzes Leben lang nichts anderes kennen als Schlag und Funken.
Und Handarokk, der „Gott der Gemeinschaft“, wunderbar für jene, die ihre Verträge und Zünfte heiliger nehmen als jedes Versprechen aus Fleisch und Blut.

Diese Götter sind keine Schöpfer. Sie sind Spiegelbilder. Die Gilden haben sich selbst angebetet, bis sie ihre eigenen Schatten für göttlich hielten.
Und jedes Mal, wenn sich in den Bergen ein Sturm hebt oder die Erde bebt, findet sich prompt ein Schriftgelehrter, der das als göttliche Mahnung deutet, statt schlicht festzustellen, dass die Welt sich bewegt, wie sie es schon immer tat, ohne göttliche Werkstattordnung.

„Die Menschen seien Werkzeuge“, sagen sie, „und die Götter die Meister.“
Wie bequem, wenn man selbst derjenige ist, der die Werkstatt verwaltet.

Ich frage: Wenn die Götter die Menschen schufen, warum sind sie ihnen so peinlich ähnlich? Warum brauchen sie Opfer, Lieder, Altäre, all die Dinge, die nur ein eitler Geist verlangt, der Angst hat, vergessen zu werden?
Vielleicht, weil die Menschen ihre Götter schufen, um sich selbst wichtig zu fühlen.
Vielleicht, weil der Funken in der Esse kein göttliches Zeichen ist, sondern einfach nur Feuer.
Doch wehe dem, der das laut sagt.
Dann kommen sie, die Gläubigen mit ihren goldenen Zangen, und versuchen, den Mund zuzudrücken wie ein glühendes Eisen im Schraubstock.

Aber der Rauch, der daraus aufsteigt, trägt meine Worte weiter.
Und solange er steigt, weiß ich: Der Glaube der Gilden ist kein Feuer aus göttlicher Hand, er ist nur ein Schwelbrand aus Stolz.

Geboren aus Chaos

Am Anfang war nichts als Chaos. Kein Maß, kein Licht, kein Schweigen, nur wogende Wirbel aus Feuer, Wasser, Luft, Stein und Eis, die miteinander rangen und sich gegenseitig verschlangen. Dieses Chaos war wild, ungezähmt, unverständlich. Aus ihm entstand die Welt, nicht durch Plan, nicht durch Ordnung, sondern durch unbändige Kraft.

Zuerst trennte sich das Feuer von der Leere. Es brannte wie ein lebendiger Wille, ungestüm, verzehrend, reinigend und zerstörerisch zugleich. Aus dieser Glut wurde Pyra, die Hüterin der Flamme, geboren. Sie ist hitzköpfig, leidenschaftlich, zugleich zornig und schöpferisch. Sie wacht über das Licht, das Leben entzündet, aber auch alles Alte verbrennt.

Dann nahm das Wasser Form an. Es floss, sammelte, umspülte alles, verband und erlöschte zugleich. Aus ihm entstand Fluðr, die fließende Macht, launisch wie ein plätschernder Bach, tiefgründig wie ein Strom in der Nacht, gütig wie ein stiller See und unerbittlich wie die Flut.

Die Luft, ein zappelnder Wirbel ohne Boden, verdichtete sich zu Luftur, der listigen, unberechenbaren Macht der Veränderung. Sie weht, wo sie will, raubt dem Himmel seine Ruhe und schenkt dem Verstand Einsicht, ebenso verspielt wie klug, ebenso unstet wie weise.

Stein, fest und unbeirrbar, sammelte die Kraft der Erde in sich. Aus ihm entstand Steinnar, die Beständige, stark, schweigsam, stur und schützend. Er hält, was die anderen zerstören, und gibt Halt, wo alles andere zerfällt.

Zuletzt gefror das Wasser in der Kälte des Chaos und formte Iser, die Geduldige. Sie ist kalt, klar und unbestechlich. In ihrem stillen Reich ruht das Wissen um das Vergängliche und die unaufhaltsame Wahrheit der Zeit.

So entstanden die Elementarmächte aus der ungezähmten Kraft der Welt selbst, nicht als Werk von Göttern oder eines großen Plans. Jeder von ihnen ist Persönlichkeit, Wille und Kraft zugleich. Wo das Chaos tobte, blieb kein Teil unberührt. Jeder Funke, jede Welle, jeder Sturm und jede Felswand trägt das Echo ihrer Geburt.

Die Welt wurde geformt, doch nicht geordnet. Die Menschen, falls sie je kamen, mussten lernen, inmitten dieser Mächte zu bestehen. Dabei sollten sie keine Werkzeuge oder Diener sein, sondern Zuschauer, Lernende und Überlebende. Pyra lehrte sie das Feuer für Wärme und Gefahr, Fluðr die Flüsse und Wege des Lebens, Luftur das Wissen um Wetter und Vorahnung, Steinnar Schutz und Geduld, Iser die Klarheit des Verstands.

Diese Geschichte ist keine Erzählung von Kontrolle oder Götterhand. Sie ist ein Zeugnis von Chaos und Kraft, von Mächten, die stärker sind als jede Ordnung, die je geplant wurde, und von einer Welt, in der selbst die kleinste Handlung dem Atem der Elemente ausgesetzt ist.

Siehe auch: